Nach einem Architektenwettbewerb ist noch keine endgültige Entscheidung für die Neugestaltung des kirchlichen Hauses gefallen.

Der Leiter des Bistumshauses, Regens Markus Magin, präsentiert einen der beiden Entwürfe des Architektenwettbewerbs, die den zweiten Preis gewonnen haben.
Noch keine endgültige Entscheidung ist über die Umbau- und Umstrukturierungsmaßnahmen im Bistumshaus St. Ludwig in Speyer gefallen. Ein Architektenwettbewerb des kirchlichen Hauses, das nach dem Umbau auch das Priesterseminar des Bistums Speyer beherbergen soll, erbrachte zwei zweite Preisträger. Beide Entwürfe sollen zunächst weiterentwickelt werden. „Dann werden wir uns für ein Konzept entscheiden“, so der Leiter des Bistumshauses Markus Magin, der als Regens zugleich für das Priesterseminar zuständig ist.
Die Neukonzeption des Hauses in der Speyerer Innenstadt wurde durch den Grundsatzbeschluss der Bistumsleitung erforderlich, den bisherigen Standort des Priesterseminars auf dem Germansberg aufzugeben. Zudem erfordern schwerwiegende Mängel im Brandschutz sowie in der Statik eine grundlegende Sanierung des bisherigen Bildungshauses.
An dem im Mai ausgeschriebenen Architektenwettbewerb, der von den Mannheimer Architekten Andreas Kaupp und Christian Franck betreut wurde, beteiligten sich acht Architekturbüros. Den zweiten Preis erkannte eine Jury aus Bauexperten und Mitgliedern der Bistumsleitung jeweils den Architektenbüros Oliver Brünjes (Saarbrücken) sowie Peter Krebs (Karlsruhe) zu. Den dritten Preis erhielten die Architekten Butz, Dujmovic, Schanné, Urig (Kaiserslautern), eine Anerkennung gab es für das Büro „Wandel Hoefer Lorch + Hirsch“ (Saarbrücken). Nach Auskunft Kaupps wurde ein erster Preis nicht vergeben, da „die sehr schwierige Aufgabe nicht in allen Belangen optimal gelöst“ werden konnte.
Beide zweiten Preisträger schlagen nicht nur Umbaumaßnahmen der bestehenden Gebäude, sondern auch den Abriss des Komplexes an der Großen Greifengasse vor. Dieser Gebäudeteil des Bistumshauses, der aus den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts stammt, weist die größten baulichen Mängel auf. Eine Sanierung sei voraussichtlich teurer als ein Neubau, so Magin. An seiner Stelle würde nach den Planungen entlang der Johannesstraße ein neues Gebäude unter anderem für die Bibliothek des Priesterseminars entstehen, die mit einem Bestand von rund 250000 Bänden auch als Diözesanbibliothek dient. Zur Lösung der schwierigen Parkplatzsituation ist in allen Konzepten eine Tiefgarage vorgesehen. Zu den Kosten konnte Magin keine Angaben machen, da noch wichtige Bauuntersuchungen ausstehen. Diese können erst nach Schließung des Hauses zum Jahresende erfolgen.
Das kirchliche Haus in der Speyerer Johannesstraße blickt auf eine mehr als 700-jährige Geschichte zurück. Seit der Gründung Mitte des 13. Jahrhunderts diente es mit der Kirche St. Ludwig 500 Jahre lang dem Dominikanerorden als Kloster. Seit 1826 war es Priesterseminar des Bistums Speyer, bis Mitte der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts die hohe Zahl von Priesteramtskandidaten den Neubau am Germansberg notwendig machte. Zudem war das heutige Bistumshaus von 1839 bis 1985 „Bischöfliches Konvikt“, das heißt Internat für Schüler mit Interesse am Priesterberuf. 1990 wurde es als Bildungshaus mit dem Ziel der Glaubensvermittlung und Glaubensbildung in Betrieb genommen. Mit der Verlegung des Priesterseminars soll das Bistumshaus St. Ludwig künftig noch stärker als geistliches Bildungszentrum profiliert werden – auch zur Begleitung von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern der Kirche im Zusammenhang mit dem Konzept „Gemeindepastoral 2015“.
Quelle: der pilger vom 6. Oktober 2010